Digitale Souveränität: Chip mit Leiterbahnen

Kann man überhaupt digital unabhängig werden?

Heutige Situation

In den heute politisch unsicheren Zeiten wird vor allem innerhalb Europas festgestellt, dass eine hohe Abhängigkeit einerseits von den USA, aber andererseits von Asien, insbesondere von China, besteht. Verlässliche Partner fehlen oftmals. Es wird durch Zölle und andere Massnahmen Erpressbarkeit erzeugt. Es wird daher nach mehr Unabhängigkeit gerufen. Ob sich dies so einfach umsetzen lässt, ist fraglich. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff „Digitale Souveränität“ geprägt. Dabei wird unterschiedlich verstanden, was dieser Begriff genau umfasst.

Obwohl lautstark mehr Unabhängigkeit gefordert wird, erfolgt sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik nur unzureichendes Handeln. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Doch gibt es auch gute Beispiele, wie es zum Beispiel Schleswig Holstein, Dänemark oder Frankreich vormachen.

Warum wird nicht mehr unternommen?

Die Gründe sind vielschichtig:

  • Bequemlichkeit und Angst vor Veränderungen
    Es wird oft vermieden, gewohnte Strukturen zu hinterfragen oder zu verändern, da dies Unsicherheiten mit sich bringt.
  • Unwissenheit darüber, dass alternative Lösungen überhaupt existieren
    Viele Entscheider sind nicht ausreichend informiert über mögliche Alternativen zu bestehenden Systemen und Abhängigkeiten. Es wird vor allem von den grossen Big Tech Unternehmen gute Lobbyarbeit geleistet und viele wissen nicht, dass alternative Betriebssysteme wie Linux auf einem Notebook laufen, oder es andere Office-Lösungen gibt und nicht nur MS365.
  • Scheu vor Veränderung
    Die Furcht vor möglichen Störungen im Betriebsablauf führt zur Vermeidung von Umstellungen. Aber auch der Wille sich neues Wissen anzueignen und Dinge auszuprobieren hält sich vielerorts in Grenzen.
  • Kosten für die Migration
    Die finanziellen Aufwendungen für die Umstellung auf neue Systeme oder Technologien werden häufig als zu hoch eingeschätzt.
  • Zu starre Integration in bestehende Systeme
    Bestehende Infrastruktur ist oft so verzahnt, dass eine Ablösung komplex und risikoreich erscheint. Dies wird gerne als Hauptgrund genannt.

Was bedeutet „Digitale Souveränität“ überhaupt?

Der Begriff Digitale Souveränität ist nicht einheitlich definiert und er wurde auf einem anderen Blogbeitrag bereits etwas genauer beleuchtet.

Wo sind wir abhängig?

In vielerlei Hinsicht bestehen Abhängigkeiten:

  • Rohstoffe
    Öl, Seltene Erden und andere kritische Rohstoffe stammen überwiegend aus Amerika, Afrika, Asien oder anderen Weltregionen.
  • Big Tech Unternehmen
    Grosse Soft- und Hardwareanbieter aus den USA (Microsoft, AWS, Google, Apple) sowie aus China (Lenovo) dominieren den Markt. Besonders im Bereich Künstliche Intelligenz bestehen weitere Abhängigkeiten (nVidia, OpenAI, Google, etc.) und von grossen Cloud-Diensten.
  • Zahlungsmittel
    Systeme wie Visa, Mastercard, ApplePay, GooglePay oder PayPal sind international verbreitet und werden oft von wenigen Anbietern kontrolliert.
  • Branchenabhängigkeiten:
    • Grafische Industrie: Adobe stellt viele wichtige Softwarelösungen bereit; viele Programme laufen nur unter Windows oder macOS, während Linux häufig vernachlässigt wird.
    • CAD: Viele Lösungen gibt es nur für Windows.
    • Musikindustrie: Marktbeherrschend sind hier insbesondere Apple und Windows.
    • Solarpanel und die Halbleiterproduktion: Produktion erfolgt fast ausschliesslich in Asien. Europa war einmal führend, doch vor allem die Politik hat es diesen Technologien sehr unattraktiv gemacht weiter in die Forschung und Entwicklung zu investieren.
    • Batterie-Technologien: Hauptsächlich von chinesischen Herstellern dominiert.
    • Telekommunikation: im Smartphone-Bereich kommen nur sehr wenigen Hersteller aus Europa, bei der Infrastruktur wie Funkmasten, Hochseekabel und dergleichen kommen interessanterweise auch grosse Anbieter aus Europa.

Was kann man für die digitale Unabhängigkeit tun?

Es empfiehlt sich, gross zu denken, aber in kleinen Schritten voranzugehen, um keine unlösbaren und gigantischen Projekte zu schaffen. Schrittweise Veränderungen sind nachhaltiger.

Ziel

  • Klare Definition der angestrebten Ergebnisse jedes Projekts oder Schrittes in Richtung Unabhängigkeit.
  • Einbindung aller relevanten Stakeholder, damit diese den Nutzen erkennen und aktiv unterstützen (Verhinderer können Projekte zum Scheitern bringen).

Konzeption und Testing

  • Identifikation möglicher Systeme zur Ablösung und Auswahl geeigneter Alternativen.
  • Durchführung von Proof of Concept (PoC) unter Berücksichtigung aller relevanten Dokumente und Prozesse der bestehenden Lösung. Vor- und Nachteile sind sorgfältig abzuwägen und verschiedene Lösungen anhand wichtiger Kriterien zu vergleichen.
  • Einbeziehung kleiner Teams in die Testphase, die Probleme offen benennen können; ehrliches Feedback ist essenziell.
  • Lückenlose Dokumentation aller auftretenden Probleme während der Tests.
  • Bewertung, ob Nachteile akzeptabel sind oder Chancen für neue Lösungsansätze bestehen.
  • Einbindung der IT-Abteilung in Entscheidungen; diese darf nicht übergangen werden.
  • Beteiligung der Fachbereiche mit detailliertem Prozess-Knowhow.
  • Bereitschaft zur Korrektur von Fehlentscheidungen (Fehlerkultur) und Suche nach Alternativen.
  • Gegebenenfalls Aussetzung eines Projekts im Worst-Case-Szenario während der Testphase mit weiterführender Suche nach Lösungen.
  • Sicherstellung, dass Test- und Live-Systeme möglichst identisch sind, ohne dass Tests das Livesystem beeinträchtigen (technisch herausfordernd).
  • Bei fehlendem Knowhow interne Ressourcen schonen und zuverlässige externe Partner sorgfältig auswählen.

Vertrauen schaffen

Die Mitarbeitenden müssen umfassend eingebunden werden:

  • Transparente Kommunikation aller Schritte des Veränderungsprozesses.
  • Rechtzeitige Schulungen sowie vertiefende Massnahmen bei Bedarf.
  • Offene Diskussion über Nachteile und mögliche Alternativen.
  • Aktives Einholen und Bearbeiten von Nutzerfeedback. Probleme dürfen nicht ignoriert werden.
  • Benennung verantwortlicher Ansprechpartner für Rückfragen und Unterstützung.
  • Ausreichend Zeit zur Anpassung schaffen, um Stress zu vermeiden.

Umsetzung

  • Sorgfältige Planung kombiniert mit offener Kommunikation.
  • Transparente Darstellung von Projektproblemen und Verzögerungen.
  • Einbeziehung aller Nutzergruppen mit ernsthafter Berücksichtigung ihrer Anliegen. Eine breite Akzeptanz ist essentiell.
  • Paralleler Betrieb von Testsystemen zur weiteren Erprobung und Schulung.
  • Erstellung detaillierter Dokumentationen sowie Schulungsunterlagen (auch als Videos).

Folgeschritte planen

Nach der Umsetzung gilt es weiterzuarbeiten:

  • Aus gemachten Fehlern lernen und diese bei zukünftigen Projekten vermeiden.
  • Umsetzung der Schritte in sinnvoller Reihenfolge. Überforderung durch zu viele parallele Projekte vermeiden (weniger ist mehr).

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